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Unterwegs in Bolivien: Von der Machete zum Pflug

Felix ist Kunde von Fondeco

Felix ist Kunde von Fondeco

„Früher habe ich mit der Machete ein kleines Stück Land bestellt. Heute bearbeite ich 120 Hektar mit Maschinen und bald sollen es 500 werden.“ Der Bauer Felix ist seit 15 Jahren Kunde des Mikrofinanzinstituts Fondeco, mit dem Oikocredit zusammenarbeitet.

Felix ist stolz, dass er es so weit gebracht hat. Am Anfang stand ein Mikrokredit von 200 Euro, jetzt ist er längst über das Stadium der Mikrokredite hinausgewachsen. Aktuell hat er bei Fondeco einen Kredit von 51.000 Dollar ausständig.

Auf Rumpelpisten zum Oikocredit-Partner Fondeco
Am zweiten Tag der Studytour geht es für unsere Gruppe von Santa Cruz 120 Kilometer Richtung Nordwesten nach Yapacani, wo wir die örtliche Filiale von Fondeco besuchen. Auf der zweieinhalbstündigen Fahrt bekommen wir den bolivianischen Alltag hautnah mit: Verkehrschaos im Großraum Santa Cruz, abrupter Wechsel von gut ausgebauten Straßen zu Rumpelpisten, zahlreiche Mautstellen, an denen Frauen und Kinder versuchen, den im Stau stehenden Autofahrern Obst oder Getränke zu verkaufen.

Dorfbank für Frauen
Der 1995 gegründete Entwicklungsfonds Fondeco (17 Filialen, 143 Beschäftigte) hat mehr als 21 Millionen Euro an Krediten vergeben. Besonderes Augenmerk legt Fondeco darauf, Frauen auf dem Weg in die Selbständigkeit zu unterstützen. „Sie sollen von ihren Männern unabhängig werden“, betont Luis Perez Vasquez, der Leiter der Filiale in Yapacani.

„Dorfbank“ nennt sich eine Finanzierungsform, die speziell auf die Bedürfnisse von Frauen zugeschnitten ist. Dabei werden Kredite an Gruppen zwischen acht und 30 Personen vergeben, 90 Prozent der Gruppenmitglieder müssen Frauen sein. In Yapacani entfallen zwei Drittel des Kreditportfolios auf die Dorfbank. Leider gibt es an diesem Montag kein Gruppentreffen und so können wir nicht mit den Frauen sprechen.

„Meine Zukunft wird gut“

Aber wir können noch andere Kunden von Fondeco besuchen. Adrian Quispe ist seit vier Jahren Kunde von Fondeco und hat mit dem Geld seine Landwirtschaft – er produziert hauptsächlich Reis – kontinuierlich ausgebaut. Ohne Mikrofinanzierung hätte er diese Möglichkeit nicht gehabt. Wie er seine Zukunft sieht? Gut, meint er, seine kleine Tochter Rocio wird einmal studieren können.

Ja, und dann gibt es für uns noch den Blick in eine kleine, farbenprächtige Schneiderei, die die Frau eines Fondeco-Kunden betreibt. Marcela erzeugt mit einer Gruppe von Frauen Kinder und Mädchenbekleidung, die im ganzen Land verkauft wird und bald auch nach Paraguay exportiert werden soll. Sie selbst ist allerdings keine Kundin von Fondeco, ihr Mann hat mit Fondeco-Krediten eine Fischzucht aufgebaut. Auch hier stand ein Mikrokredit am Anfang.

Veronika Canaval
Oikocredit Austria

Adrian und seine Familie

Adrian und seine Familie

Einblick in eine Schneiderei

Einblick in eine Schneiderei

Unterwegs in Bolivien: Saité – 4000 Meter über dem Meeresspiegel

Heute sind wir mit unserer Study-Tour Gruppe in La Paz angekommen. Schon die ersten Blicke aus dem Flugzeug heraus waren atemberaubend. La Paz liegt auf ca. 3700 Metern und ist damit der höchstgelegene Regierungssitz der Welt.

Um zum Produktionsort von Saité, langjähriger Partner von Oikocredit, zu gelangen, müssen wir nochmals 300 Höhenmeter nach El Alto zurücklegen. Saité ist ein Familienbetrieb, der seit fast 30 Jahren Quinoa produziert. Aber auch Sesam, Amaranth und Chia gehören mittelweile zum Sortiment.

Bio-Quinoa von Saité

Bio-Quinoa von Saité

Bauern, die sich meist in kleineren Kooperativen zusammengeschlossen haben, verkaufen ihre Ernten an Saité, weil der Preis stimmt und weil sie technische Unterstützung, Darlehen und kostenfreie Bio-Zertifizierung erhalten.

Tito ist Quinoa-Bauer und erzählt uns, wie seine Kooperative Teile der Ernte sammelt und an Saité verkauft. Seine Frau sei dafür zuständig. Die Preise für Quinoa sind im Vergleich zu anderen Agrarprodukten sehr hoch und so geht es Tito und seiner Familie recht gut.

Der Rundgang in der Produktionsstätte ermöglicht uns einen Einblick in die professionelle Arbeit von Saité. Der Betrieb hat rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Anlagen machen einen sehr modernen Eindruck und die Arbeiterinnen und Arbeiter tragen Sicherheitskleidung.

In der Fabrik von Saité

In der Fabrik von Saité

In Zukunft möchte man nicht nur die weiterverarbeiteten Rohstoffe exportieren, sondern die Produktion einschließlich der Verpackung durchführen. Mich beeindruckt vor allem, wie dieses Unternehmen über die Jahre gewachsen ist.

Arbeiter stapeln die Getreide-Säcke

Arbeiter stapeln die Getreide-Säcke

Daniel Sommer
Oikocredit Westdeutscher Förderkreis

Unterwegs in Bolivien: Lydias LKW

05:15 Uhr – Frühstück in Santa Cruz, der Morgen ist noch jung als wir zum Flughafen fahren – auf nach Cochabamba, in die andinen Höhen mit weniger Sauerstoff, dafür aber besseren Aussichten…

In Colomi besuchen wir eine Zweigstelle von CIDRE, eine Mikrofinanzinstitution, mit der Oikocredit seit 1988 zusammenarbeitet. Mittlerweile auf über 3000 Metern angelangt, bleibt uns nicht nur die Luft weg wegen der Höhe, sondern auch wegen Lydia!

Lydia arbeitet als Schneiderin und Blumenverkäuferin. Foto: Patricio Crooker

Lydia arbeitet als Schneiderin und Blumenverkäuferin. Foto: Patricio Crooker

 

Lydia, eine 41 jährige Bolivianerin, hat bei CIDRE einen Kredit über 36.000 USD aufgenommen, mit dem sie dann einen Lastwagen gekauft hat, den nun ihr Mann für Transportzwecke aller Art nutzt. Auf die 36.000 USD Kredit legten die beiden 12.000 USD Ersparnisse drauf und dann war der LKW gekauft. Als Sicherheit haben sie ihr kleines Haus als Pfand in den Kreditvertrag schreiben lassen. Mir ist bei dieser Summe die Luft weg geblieben.

Den Kreditvertrag haben sie beide unterschrieben. Fünf Jahre haben sie Zeit, den Kredit zurückzuzahlen. Wie uns die Kreditsachbearbeiter von CIDRE erklären, ist das betriebswirtschaftlich durchkalkuliert und deshalb haben Lydia und ihr Mann den Kredit bekommen. Neben den Einkünften aus dem Transportgewerbe verdient Lydia Geld mit dem Verkauf von Blumen vor der Kirche und dem Schneidern von Kleidung im Erdgeschoss ihres Hauses.

Lydias zwei älteste Kinder (3 J.; 11 J.; 16 J.) gehen zur Schule und möchten später einmal studieren. Für mich ein klares Zeichen, dass die Eltern in Bolivien genauso ticken wie bei uns – die Kinder sollen es einmal besser haben!

Christina Alff
Oikocredit Förderkreis Baden-Württemberg

Unterwegs in Bolivien: Eintauchen in die Mikrofinanz-Welt Boliviens

Auftakt der Study-Tour
Endlich geht‘s mit der Oikocredit-Study Tour offiziell los: am Sonntagnachmittag treffen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen erstmals alle zusammen. Für mich ist es spannend, erstmals so viele Oikocredit-Vertreter/innen aus vielen verschiedenen Ländern kennenzulernen – bei dieser Study Tour kommen sie aus Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Großbritannien, Österreich und natürlich aus Bolivien. Für die Einführungsrunde ist sogar Regionaldirektor Mario Umpiérrez (zuständig für Bolivien, Paraguay, Uruguay, Argentinien und Brasilien) aus Montevideo nach Santa Cruz geflogen.

Oikocredit-Regionaldirektor Mario Umpiérrez

Oikocredit-Regionaldirektor Mario Umpiérrez

Einige von uns haben am Vormittag die Sonntagsmesse in der Kathedrale von Santa Cruz besucht – ein beeindruckendes Erlebnis. Mit Messen in Österreich hatte dieser Gottesdienst wenig gemein: Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen, die Kirche ist voll mit jungen Menschen, Eltern kommen mit ihren Kindern, es wird viel und laut musiziert.

Ab morgen teilen wir uns in drei Gruppen auf, um in drei verschiedenen Teilen des Landes Oikocredit-Partner und Kreditnehmer/innen kennen zu lernen. Das wird sicher spannend, denn Bolivien ist einer der größten Märkte für Mikrofinanzen weltweit.

Oikocredit-Länderbeauftragte Marisol Fernández

Oikocredit-Länderbeauftragte Marisol Fernández

Wieso ausgerechnet Bolivien? Marisol Fernández, Länderbeauftragte von Oikocredit Bolivien erklärt das so: durch die schweren Wirtschaftskrisen des Landes in den achtziger und neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts mit Hyperinflation, hoher Arbeitslosigkeit und Bankenschließungen entstand Bedarf an alternativen Finanzierungsformen. Denn vor allem für Menschen mit kleinen Einkommen gab es kaum Möglichkeiten, zu Geld zu kommen. Schon bald wurde eine regelrechter Mikrokredit-Boom ausgelöst.

Seit 1987 in Bolivien tätig

Auch Oikocredit wurde schon früh in Bolivien aktiv: 1987 starteten von Uruguay aus in dem südamerikanischen Land die ersten Aktivitäten, 2007 wurde ein Ein-Mann-Unternehmen gegründet. Heute hat Oikocredit in Bolivien sechs Mitarbeiter/innen, das Kreditportfolio betrug Ende 2013 mehr als 45 Mill. Euro.

Bald werden wir genauer wissen, was alles mit dem Geld der Oikocredit-Anleger/innen finanziert wird.

Veronika Canaval

Oikocredit Austria

Unterwegs in Bolivien: Ankunft und erste Eindrücke

Nach einer anstrengenden Anreise zusammen mit Nina (Förderkreis Baden-Württemberg), Thomas (Förderkreis Bayern) und Sibylle vom Förderkreis Norddeutschland und den ersten Stunden Schlaf in Santa Cruz bin ich bereit für Entdeckungen einer neuen Stadt. In Bolivien bin ich zwar schon einmal gewesen, aber in einer anderen Region und außerdem ist das nun  schon 30 Jahre her!

Langsam trudeln auch die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein. Jan aus Holland ist schon 2 Tage da, Johan aus Belgien kam etwas nach uns an.

TeilnehmerInnen der Studienreise

TeilnehmerInnen der Studienreise

Zum Glück ist es nicht ganz so tropisch-feucht wie erwartet. So machen wir uns unter der Führung von Jan auf, um erste Eindrücke zu sammeln.

Erstaunlich für mich ist, dass es in der Innenstadt ziemlich sauber ist, kaum Plastikmüll herumliegt. Der Verkehr ist natürlich chaotisch und ohne Rücksicht auf Fußgänger. Hohe Bürgersteige, die abrupt enden oder mit etlichen Stolperfallen aufwarten: das kommt mir bekannt vor.

Aber Straßenkinder, die etwas verkaufen oder an den Ampeln schnell die Scheiben der haltenden Autos putzen wollen, sehe ich hier nicht. Ob das eine Folge der Razzien ist, die die Polizei – nach einem Bericht der Don Bosco Mission – macht, um die Straßenkinder aus dem Stadtbild zu vertreiben? Oder die Erfolge der aktuellen Regierung, für die Jugendlichen eine Schulpflicht durchzusetzen?

Schuhputzer in der dritten Generation

Im Zentrum ein schattiger Platz mit dem Regierungsgebäude und der Kathedrale. Hier treffen wir auf einen Bekannten von Jan vom Vortag: den Schuhputzer Hermes, der sich bereitwillig von uns ausfragen lässt. Stolz erzählt er, dass auch schon sein Großvater und sein Vater Schuhputzer auf dem Plaza 24 de Septiembre in Santa Cruz waren.

Hermes ist Schuhputzer in Santa Cruz

Hermes ist Schuhputzer in Santa Cruz

Die Schuhputzer in Santa Cruz seien, so erzählt er auch, gewerkschaftlich organisiert, über die Gewerkschaft werden Lizenzen vergeben. An guten Tagen verdiene er bis 15 Dollar, davon könne er „überleben“, wie er sagt. Sein erster Sohn besuche mit 6 Jahren die Schule. Interessant finden wir, dass die Kinder schon in der Grundschule die indigenen Sprachen Quetchua und Guaraní lernen.

Franziska Dickschen
Oikocredit Förderkreis Niedersachsen-Bremen

 

Unterwegs in Bolivien: Erste Impressionen und Ausflüge

Ziel war es heute, den Tag zu nutzen, um mit dem Minibus die Stadt zu verlassen und etwas außerhalb Lomas de Arena el Palmar zu besuchen. Es handelt sich dabei um Sandduenen, die ca. 20 km von Santa Cruz entfernt sind. Was von uns früh Angereisten als Vormittagsprogram geplant war, weil einige noch Arbeit vor dem Beginn der Veranstaltung erledigen müssen, entpuppt sich als langwieriger als gedacht.

Der Regen der vergangenen Nacht lässt uns auf dem Hinweg nach Überwindung unendlich vieler Schlaglöcher und großer lehmig brauner Wasserlachen vollends im Schlamm versinken. Das lässt dann auch einen Eindruck von der hiesigen Infrastruktur aufkommen.

Unser Kleinbus bleibt stecken.

Unser Kleinbus bleibt stecken.

Nachdem auch Schieben nichts hilft, gehen wir den letzten Kilometer zu Fuß und der Fahrer versucht seinen Toyota wieder flott zu machen. Wir genießen derweil den Weg. Statt Wanderschuhen wären Badeschuhe besser geeignet.

Der Regen der vergangenen Nacht hat seine Spuren hinterlassen.

Der Regen der vergangenen Nacht hat seine Spuren hinterlassen.

Wunderschöne Schmetterlinge in verschiedenen Farben des Regenbogens begleiten uns. Ein Raubvogel schwebt über uns und auch die obligatorischen Kühe fehlen nicht. Am Ende des Weges gibt es dann eine kühle Erfrischung in einem Restaurant. Das Wasser perlt nicht nur am Glas ab, sondern auch von unseren Köpfen.

Die Stimmung ist gehoben, ich bin erleichtert!!! Denn ich habe diesen Kurztripp vorgeschlagen. Und alle haben freundlicherweise gesagt, dass die Natur, verbunden mit dem Abenteuer bolivianischer Straßen, ein hervorragender Einstieg in die nächste Etappe sei.

Sibylle Schwandt
Oikocredit Förderkreis Norddeutschland

Studienreise Bolivien: Vorbereitungen auf das Land des Quinoa

Wie die Zeit vergeht, wenn man sich auf eine Reise nach Bolivien vorbereitet! Heute fliegen wir nach Santa Cruz, eine der am schnellsten wachsenden Städte der Welt. Die Oikocredit-Studienreise wird offiziell am Sonntag, den 11. Mai, beginnen, aber wir haben vor Ort noch einiges vorzubereiten.

Die nördliche Skyline von Santa Cruz (Foto: Rodolfo Barriga)

Die nördliche Skyline von Santa Cruz (Foto: Rodolfo Barriga)

Einige haben vermutlich die Geschichte über das Land des Quinoa auf unserer Website gelesen. Jetzt haben wir die Gelegenheit, dieses besondere Land selbst kennenzulernen. 15 Oikocredit-AnlegerInnen und -Mitarbeitende aus Belgien, Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden und Österreich nehmen an der Studienreise durch Bolivien teil.

Wir wollen mehr darüber erfahren, wie Oikocredit mit ihren bolivianischen Partnerorganisationen zusammenarbeitet und welche Auswirkungen diese Arbeit auf die Kundschaft und Mitglieder dieser Partner hat. Wir wollen mehr darüber lernen, wie Mikrofinanz in einem Land aussieht, das hohe Armutsraten hat und einen rapiden Wandel durchläuft. Auf der Studienreise unterstützen und begleiten uns die Oikocredit-Mitarbeitenden aus dem Regionalbüro für das südliche Südamerika und dem Länderbüro Bolivien.

Ich frage mich, wie die Gruppe mit den unterschiedlichen Klimazonen zurechtkommen wird. Santa Cruz liegt im tropischen Teil von Bolivien auf 400 Metern über dem Meeresspiegel, aber wir werden auch eine Partnerorganisation auf 4.000 Metern Höhe in der Nähe der Hauptstadt La Paz besuchen.

Ich breche zur Studienreise auf mit vielen Fragen und hoffe, dass ich bis zu meiner Rückkehr auf die meisten Antworten finden werde. Wir Reisenden wollen Interessierte über unsere Erlebnisse auf dem Laufenden halten. Wir werden auf Deutsch, Englisch und Niederländisch über die Reise berichten. Unter dem Hashtag #oikocreditontour kann man uns auf Facebook und Twitter folgen. Wir freuen uns darauf, auf diesem Blog über unsere Reise zu berichten und sind gespannt auf Fragen und Kommentare. Einfach unten eintragen.

Ulrich Leutbecher
Oikocredit International



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