Archiv-Seite 2

Studienreise Senegal: Unterwegs im Sine Saloum Delta

Wir sind wieder unterwegs im Kleinbus. Es ist der zweite Tag mit Partnerbesuchen und wir sind recht früh aufgebrochen, um rechtzeitig bei unserer nächsten Verabredung anzukommen. Lektion 1 des Vortags: Wir brauchen mindestens doppelt oder dreifach so lange für eine Strecke, wie es in der Agenda vorgesehen ist – daher der frühe Start.

Affenbrotbäume

Gigantische Affenbrotbäume (Baobabs) auf unserer Route
Foto: Jan Groenewold

Wir fahren ins Landesinnere nach Kaolack. Die Szenerie gleicht dem Vortrag – Baobabs so weit das Auge reicht – bis wir ins Sine Saloum Delta kommen. Links und rechts der Straße breitet sich eine riesige Fluß- und Seelandschaft aus. Das Delta erstreckt sich über 24.000 km². Aus dem Meerwasser, das durch das Delta ins Landesinnere fließt, wird hier Salz gewonnen.

Nach ein paar Stunden Fahrt wird es schon recht heiß, doch die Klimananlage muss ausbleiben, denn Lektion 2 des Vortags lautet: Niemals die Klimaanlage anschalten. Was vorne beim Fahrer noch als kühle Brise anmutet, wird im hinteren Teil des Buses zur Heizung.

In Kaolack angekommen, fahren wir zur Filiale von U-IMCEC, einer Mikrofinanzinstitution, die seit 2006 Partner von Oikocredit ist. Am Vortrag haben wir die Zentrale in Dakar besucht und uns mit dem Management unterhalten. U-IMCEC ist in 12 der 14 Regionen Senegals vertreten. Selbst in entlegenen Orten, die nur über Sandpisten zu erreichen sind, gibt es Filialen von U-IMCEC, denn die Nähe zu den Kunden ist ihnen wichtig. Selbst in der Casamance, einem politisch instabilen Gebiet, das durch Gambia vom Rest Senegals abgetrennt ist, sind sie vertreten.

U-IMCEC ist als Genossenschaft organisiert und bietet ihren Mitgliedern Kredite, Sparkonten, Überweisungen und Schulungen. Vor allem die Schulung der ehrenamtlichen Mitglieder der Verwaltungsräte der Zentrale und der vier regionalen Vertretungen ist ihnen wichtig. Auch auf Ebene der 41 Filialen gibt es ehrenamtlich besetzte Kreditausschüsse, deren Mitglieder darin geschult werden, über die Vergabe von Krediten zu entscheiden. Wir sind beeindruckt und verstehen besser, welcher Aufwand hinter den Kulissen betrieben wird.

Und es freut uns zu hören, dass sie Oikocredit als Partner schätzen. “Oikocredit bietet das beste Paket”, sagt der Geschäftsführer Ousmane Thiongane. “Sie sind flexibler als andere, bieten höhere Kreidtbeträge und bilden uns weiter, zum Beispiel im Bereich soziales Wirkungsmanagement.”

Elvira und Abdou

Elvira im Gespräch mit Filialleiter Abdou Aziz Kane

Heute wollen wir uns also ein Bild davon machen, wie die Arbeit von U-IMCEC vor Ort in der Filiale von Kaolack aussieht. Filialleiter Abdou Aziz Kane wartet schon etwas ungeduldig auf uns, denn trotz früherer Abfahrt haben wir wieder Verspätung. Lektion 3: Auch mit ausreichend Zeitpuffer kann man zu spät kommen.

Wir wollen keine Zeit verlieren in der Filiale und machen uns auf den Weg zu Aby N’Dao, Kundin von U-IMCEC.

Studienreise Senegal: Ein neuer Bootsmotor für Sidy

In Mbour machen wir uns auf den Weg zu unserem ersten Besuch eines Mikrokreditnehmers. Zum PAMECAS-Filialleiter Mohamed Thomas und Kreditsachbearbeiter Mustafa Amar sind weitere Männer hinzugekommen. Unser Tross ist inzwischen auf 13 Personen angewachsen, weitere Mitarbeiter und Mitglieder des ehrenamtlichen Vorstands von PAMECAS in Mbour wollen den „Toubab“ (Weißen) die Ehre erweisen und begleiten uns.

Wir fahren auf Sandpisten in Richtung Meer zum Haus von Sidy Fall. Wir sind fast schon zu viele für den kleinen Innenhof der Familie. Und es scheint, dass alle Kinder der Gegend gekommen sind, um uns zu bestaunen und anzufassen. Dicht gedrängt stehen wir in sengender Hitze und kommen mit Sidy ins Gespräch.

Sidy Fall ist Fischer. Vor zwei Jahren, berichtet der 36-Jährige, sei er auf der Suche nach einer Mikrofinanzinstitution (MFI) gewesen, um einen Kredit für einen neuen Bootsmotor aufzunehmen. Er entschied sich für den Oikocredit-Partner PAMECAS, da er dort die besten Konditionen bekam und keine Sicherheiten vorweisen musste.

Mit dem neuen Motor wollte er ein zweites Boot ausrüsten. Da Boote vor Ort hergestellt werden, sind sie relativ günstig, aber die Motoren sind teuer, erfahren wir. Sie kommen aus dem Ausland und Importzölle sind hoch.

Sidy Fall zeigt Angelika und Pierre seinen Motor

Sidy Fall zeigt Angelika und Pierre seinen Motor.
Foto: Jan Groenewold

Sidys Idee hinter dem Motorkauf: Er wollte weniger oft fischen gehen, um mehr Zeit mit seiner Familie – seiner Frau und vier Kindern zwischen 6 und 13 Jahren – zu verbringen. Zudem schafft er mit dem neuen Motor quasi Arbeitsplätze innerhalb seiner Familie: Seine Brüder gehen mit den beiden Booten fischen und er kann wieder öfter in seinem eigentlichen Beruf als Elektriker arbeiten.

Sidy Fall

Sidy Fall zeigt uns stolz sein Boot.
Foto: Jan Groenewold

Seinen Kredit hat er bereits zurückgezahlt und zwar früher als geplant. Darauf ist Sidy sichtlich stolz. Ich frage ihn, was sich durch den Kredit verändert hat. „Mein Leben ist jetzt stabiler“, sagt er. „Ich habe meinen Brüdern beigebracht, wie man fischt und kann mich nun auf andere Dinge konzentrieren.“ Mit dem Gewinn aus der Fischerei und dem Kredit konnte er Land kaufen und sein kleines Haus bauen. „Außerdem ist es jetzt einfacher, meine Kinder zur Schule zu schicken. In der Vergangenheit hatte ich oft Probleme, das Schulgeld zu bezahlen“, fügt er hinzu.

Angelika wird fotografiert

Angelika wird mit ihrer Kamera von Sidys Kindern, Neffen und Nichten fotografiert.

Der Abschied dauert lange, vor allem die Kinder können sich nur schwer trennen. Sie haben entdeckt, wie man mit unserer Digitalkamera Bilder macht und fotografieren begeistert Teilnehmerin Angelika. Doch wir müssen weiter, der nächste Kunde von PAMECAS wartet bereits auf uns.

Ulrike Haug
Oikocredit Deutschland

Studienreise Senegal: Kreditvergabe im Schlafzimmer

Gruppenevaluierung

Kreditauswertung und Aussprache mit der Frauengruppe

Die Bank kommt zum Kunden. Dass es dort nicht immer viel Platz hat, haben wir bei einem unserer ersten Besuche bei Mikrofinanzkundinnen erlebt. Mit uns und den Kreditsachbearbeiterinnen der Mikrofinanzinstitution Saint Louis Finance saßen insgesamt 15 Menschen auf knapp 20m2.

Unser Bus konnte uns nicht bis vor die Haustür fahren, die Straßen zwischen den einstöckigen Häuserzeilen sind reine Sandpisten. Das Treffen findet im Haus der Gruppenverantwortlichen statt. Als wir mit den zwei Kreditsachbearbeiterinnen ankommen, finden wir die Frauen bereits am Boden sitzend vor. Junge Frauen, eine davon säugt während des Treffens immer wieder ihr kleines Baby. Die Räumlichkeiten sind beengt. Ein großes Holzbett dominiert den Raum. In diesem Zimmer spielt sich alles ab. Links steht ein Kühlschrank. Rechts ein Fernseher. Auf einer Kommode stehen Lebensmittel. Gegessen wird auf dem türkisfarbenen Teppichboden. Immer wieder bewegt der Wind sanft den rosafarbenen Volantvorhang, der in der Eingangstür die Fliegen fernhalten soll.

Die besten Plätzen auf grünen Plastikstühlen haben wir bekommen, der Rest sitzt auf dem Boden und auf dem Bett. Eine sehr junge, aber bestimmte Kreditsachbearbeiterin leitet das Treffen.

Kreditvergabe_2

Wir sitzen mitten im Geschehen.

Die Frauen haben einen Gruppenkredit von Saint Louis Finance bekommen. 50.000 CFA (76 EUR) jede von ihnen. Damit haben sie gewirtschaftet: Säfte, Fisch und Friseurzubehör für ihr Geschäft gekauft. Heute ist der Tag, an dem Rückschau gehalten wird. Was lief gut, was wollen sie ändern, was beibehalten? Es läuft nicht immer glatt. Drei Wochen wären sie schließlich mit den Zahlungen im Rückstand gewesen.

Obwohl der Kredit letztendlich ganz zurückgezahlt wurde, bekommen die Frauen in einem zweiten Zyklus keine höheren Kredite. So der Beschluss des Kreditausschusses von Saint Louis Finance. Das diene auch dem Schutz der Kunden. Die Frauen sehen das anders und es entbrennt eine Diskussion, der wir nur in Bruchstücken folgen können. Denn im Senegal spricht die arme Bevölkerung v.a. Wolof und nur wenig Französisch. Wir verlassen die Gruppe, da jetzt noch Einzelgespräche zur Klärung von Fragen und Problemen anstehen. Aber wir sind gespannt, wie die Wünsche der Frauen bei Saint Louis Finance behandelt werden. Dazu befragen wir beim Debriefing den Direktor.

Kinder Kundenbesuch

Die Kinder freuen sich über Besuch in ihrem Viertel.

Ulrike Pfab

Oikocredit Förderkreis Baden-Württemberg

Studienreise Senegal: Von Toubab zu Baobab

Bustruppe

Die Reisegruppe besucht Oikocredit-Partner in Nord-Senegal.

Der Minibus fährt los. Pünktlich um acht – im Inneren die illustre Reisegruppe. Am Start sind zwei Deutsche, zweimal Holland, ein Schweizer, ein Österreicher und einmal Elfenbeinküste. Das Durchschnittsalter könnte niedriger sein, denke ich. Aber bald schon merke ich, dass die älteren Herren durchaus Humor haben. Mariam Dao, unsere Regionalmanagerin für Westafrika sitzt neben mir. Der Verkehr läuft flüssig aus Dakar – wer hat eigentlich behauptet, dass überall in Afrikas Städten Verkehrschaos herrscht? Auch die Straßenqualität ist prima – angeblich ist die Straße nach Saint-Louis, hoch an Grenze zu Mauretanien, die Beste im Land. Glück muss man haben.

baobab

Seit Januar ist Trockenzeit und es gibt nur noch wenige grüne Flecken in der Savanne.

Am Fenster ziehen bald schon erste ländliche Impressionen vorbei. Die Baobab-Bäume sorgen für eine erste Pause. Affenbrotbäume können riesig werden und haben Früchte, die sich wunderbar zu einem dickflüssigen, birnenähnlichen Saft verarbeiten lassen. Ein Pferdewagen fährt an uns vorbei auf der Standpiste, die parallel zur asphaltierten Fahrbahn verläuft. Weiter entfernt treiben zwei Mädchen eine kleine Ziegenherde vor sich her.

In der Gegend von Saint-Louis werden wir die nächsten Tage verbringen. Das Mikrofinanzinstitut Saint Louis Finance, das von Oikocredit mitfinanziert wurde, arbeitet seit knapp zwei Jahren in der Region. Sie wollen arme Menschen auf dem Land mit sicheren Sparprodukten, Krediten und dringend benötigten Versicherungsleistungen versorgen. Das ist das mittelfristige Ziel. Vorerst finanzieren sie aber vor allem Kleinunternehmen und Frauen, die z.B. mit dem Verkauf von Fisch, Kosmetik oder Schuhen Geld verdienen. Davon werden wir einige besuchen, um zu erfahren, was sie von diesem Angebot halten und ob es ihnen geholfen hat.

Ulrike Pfab

Oikocredit Förderkreis Baden-Württemberg

Studienreise Senegal: Unterwegs im Süden mit PAMECAS

Wir sind unterwegs gen Süden. In der morgendlichen Kühle verlassen wir auf gut geteerten Straßen Dakar. In Mbour wollen wir Kunden des Oikocredit-Partners PAMECAS besuchen. Erstaunlicherweise haben wir freie Fahrt. Auf der anderen Straßenseite dagegen drängen  Unmengen von Autos, Taxis, Lastwagen und den Bussen, die Car Rapide genannt werden, in die Hauptstadt. Auf den Kühlerhauben der Car Rapide steht “Alhamdolillah” (Gelobt sei Gott).  Wir verstehen bald, warum im senegalesischen Straßenverkehr um Gottes Schutz gebeten wird: Ein Verkehrsunfall hat den Verkehr zum Erliegen gebracht. Doch wer in die Stadt will, hat keine Alternative. Mit mulmigem Gefühl erhaschen wir kurze Blicke auf die Unfallszene und hoffen, dass unser Fahrer Nbane uns sicher ans Ziel bringt.
 
Wir sind in einem Kleinbus unterwegs. Wir, das sind: zwei hauptamtliche Mitarbeiterinnen aus der Schweiz und Österreich, ein Journalist aus den Niederlanden und zwei ehrenamtliche Vorsitzende von Oikocredit-Förderkreisen aus Frankreich und Deutschland. Begleitet werden wir von Aida Gueye, der Regionalverantwortlichen für soziales Wirkungsmanagement. Sie ist Senegalesin, arbeitet aber im Oikocredit-Regionalbüro in Cote d’Ivoire. Alle sprechen mehrere Sprachen und so verbringen wir den ganzen Tag kauderwelschend. Pierre aus Paris spricht Esperanto und alle wünschen sich, wir könnten uns auf diese Sprache einigen.
 
Wir fahren durch eine steppenartige Landschaft. Hier und da sehen wir kleine Felder, die bewässert sind. Es ist allerdings Trockenzeit und entsprechend dürr ist die Vegetation. Entlang der Straße dominieren die Affenbrotbäume, Baobab genannt, deren Fruchtsaft wir zum Frühstück probiert haben. Lecker und vitaminreich. Genau das richtige für einen anstrengenden Tag in zunehmender Hitze.

Unterlagen PAMECAS

Filialleiter Mohamed Thomas zeigt uns die Unterlagen der Kundinnen und Kunden
Foto: Jan Groenewold

In der Mittagshitze erreichen wir unser Ziel, die Filiale der Mikrofinanzinstitution
(MFI) PAMECAS in Mbour. Mohamed Thomas ist der Filialleiter und Manager aller fünf PAMECAS-Filialen im Departement Mbour. Es ist sein erster Arbeitstag in der Filiale und er nimmt sich dennoch den ganzen Nachmittag Zeit für uns.

PAMECAS-Filiale

Kunde mit Kreditsachbearbeiterin in der PAMECAS-Filiale, Mbou
Foto: Jan Groenewold

128.000 Kundinnen und Kunden hat die MFI hier in der Region – wir rechnen schnell hoch, es sind ungefähr 10 Prozent der Bevölkerung. Der Großteil davon ist in dörflichen Spar- und Kreditgenossenschaften organisiert. Die Kundinnen und Kunden arbeiten in der Fischerei, im Handel, in Kleinunternehmen und der Landwirtschaft. Neben Bankkonten, Sparprodukten und Mikrokrediten, bietet die die MFI auch Krankenversicherungen an. Was das genau bedeutet, werden wir in Kürze sehen.
 
Betreut werden die Kundinnen und Kunden von Kreditsachbearbeitern wie Mustafa Amar. Er und seine Kolleginnen und Kollegen betreuen ihre Kundschaft direkt vor Ort. Wir machen uns auf den Weg mit ihm zu seinen Kunden.
 
Ulrike Haug
Oikocredit Deutschland

Studienreise Senegal: Herausforderungen und Chancen in Westafrika

Mit einem Treffen in Dakar beginnt heute die Oikocredit-Studienreise im Senegal. 20 Oikocredit-Engagierte, Mitarbeitende und Anlegerinnen und Anleger aus 13 Länder sitzen um den großen Tisch, als Mariam Dao, Oikocredit-Repräsentatin für Westafrika, ihre Präsentation beginnt. Mariam arbeitet seit fast 20 Jahren für Oikocredit in Afrika und hat die Entwicklung in der Region von Anfang an begleitet.

Für Oikocredit sei es die Region mit den größten Herausforderungen – Analphabetentum und ein niedriger Entwicklungsstand stehen einem riesigen Potenzial gegenüber, berichtet sie. Die Menschen arbeiten meist in der Landwirtschaft, oft nach sehr traditionellen und wenig effektiven Methoden. Viel fruchtbares Land liege schlichtweg brach. Laut Mariam gibt es gute Möglichkeiten, Ernährungssicherheit voranzutreiben, wenn das entsprechende landwirtschaftliche Know-how und Mittel zur Verfügung gestellt werden. Daher wird Oikocredit die Finanzierung von Partnerorganisationen in der Landwirtschaft in den kommenden Jahren stark ausbauen.

Eine der großen Herausforderungen in der Region ist die politische Instabilität. Seit 1994 hat Oikocredit ein Regionalbüro in Côte d’Ivoire. Zehn Jahre lang wurden Projekte in Nachbarländern von dort aus betreut. Bürgerkriege erschwerten nicht nur Oikocredit in Côte d’Ivoire, sondern auch den Partnern die Arbeit. Ein Grund mehr für Oikocredit, weitere Länderbüros in der Region zu eröffnen. So wurde unter anderem 2004 das Büro im Senegal eröffnet.

Oikocredit war bereits seit 1997 im Senegal aktiv und stellte 2004 Sambou Coly als Länderbeauftragten für das neue Büro ein. Zunächst konzentrierte Oikocredit sich vor allem auf die Finanzierung von Mikrofinanzinstitutionen (MFI), berichtet Sambou der Reisegruppe. Viele der MFI sind vor allem in Städten aktiv. Aber gerade auf dem Land haben die Menschen kaum Möglichkeiten ein Sparkonto zu eröffnen oder Kredite aufzunehmen. Oikocredit baut daher verstärkt kleinere Mikrofinanzinstitutionen mit Finanzierungen und Schulungen auf dem Land auf.

Auch landwirtschaftliche Genossenschaften und Unternehmen werden von Oikocredit unterstützt. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen, die zu groß sind, um als Kunde für Mikrofinanzinstitutionen in Frage kommen und zu klein sind für Banken, schließt Oikocredit mit ihren Finanzierungen eine Lücke. In den kommenden Tagen werden wir Partnerorganisationen aus allen Bereichen besuchen. In drei verschiedenen Gruppen werden wir das Land bereisen und uns einen Eindruck davon verschaffen, was die Gelder der Oikocredit-Investoren aus Deutschland und anderen Ländern hier vor Ort bewirken. Wir sind gespannt und werden in den nächsten Tage auf diesem Blog von unseren Begegnungen vor Ort berichten.

Ulrike Haug

Oikocredit Deutschland

Studienreise Senegal: Abgeschleppt in Dakar

Angekommen in Dakar. Marktbesuch ist Pflicht.

Angekommen in Dakar. Marktbesuch ist Pflicht.

10 Uhr morgens in Dakar. Es herrscht Belagerungszustand vor unserem Hotel. Kein Wunder. Unser kleiner 4-köpfiger Reisetrupp aus deutschen Oikocredit-Förderkreisen besteht aus klassischen Vertretern der Toubabs, “wohlhabende Reisende” aus Europa. Wir wollen vor dem Beginn der Studienreise erste Eindrücke in Dakar sammeln und machen uns auf den Weg.

Da sind die “Schlepper” nicht weit. Im Sandaga-Markt drängt sich Stand an Stand, gelb leuchtende Bananen liegen neben staubbedeckten Handybatterien und bunten Stoffballen. In einem Stoffladen werden wir abgepasst und über enge Straßen in ein zweistöckiges Geschäft mit Allerlei aus Stoff eskortiert. Im dichten Gedränge bietet alle paar Meter ein anderer Verkäufer seine Waren feil. „Sister“, „sind Sie deutsch?“, „Look“ schallt es uns aus allen Ecken entgegen. Leichtes Unwohlsein beschleicht mich, als wir vom hinteren Teil des Ladens in ein halbschummriges Treppenhaus geführt werden.

Oben surren die Nähmaschinen. In kleinen Abteilen sitzen Männer über ihre Nähmaschinen gebeugt und stellen Naht um Naht fertig. Der Laden ist bereits zum Bersten voll. Wer soll all die emsig angefertigten Teile kaufen? Was verdient der Näher, wohl kaum älter als 15 Jahre, der im Licht einer Sparlampe Stoffe bestickt? Kann er davon leben? Wir können uns nicht durchringen ein Kostüm aus den prächtig glänzenden Stoffen kaufen und ziehen uns umgehend den Groll des Schleppers zu. Wütende Schmähungen ausstoßend verweist er uns des Ladens. Wir schnaufen durch.

Fischverkäuferinnen am Strand von Dakar

Mit Mikrokrediten kauft man Nähmaschinen. Oikocredit finanziert Mikrokredite. Auch im westafrikanischen Senegal. Was genau wird damit eigentlich finanziert? Auf dem Programm unserer Studienreise stehen verschiedene Besuche bei Mikrofinanzinstituten. Ich nehme mir vor, genau nachzufragen.
Am Nachmittag sind wir dann am Fischerdorf. Frauen sitzen direkt am Strand und verkaufen den frischen Fang.  Die intensiven Eindrücke machen durstig.

Auf der Spur von Oikocredit-finanzierten Produkten

In einem kleinen Tante-Emma-Laden haben wir eine erste Begegnung mit unserer Geldanlage. Jaboot! Milchpulver aus einem senegalischen Familienbetrieb unweit von Dakar. Oikocredit ist dort finanziell mit eingestiegen. Kleine Unternehmen, die bei Banken vergeblich Klinken putzen, werden unterstützt.

Produkt vom Oikocredit-Partner Mamelles Jaboot

Ich freue mich, dass das Produkt, in dem auch ein kleiner Teil meiner Oikocredit-Geldanlage steckt, den Weg bis in diesen Laden geschafft hat. Und ich bin gespannt, wie es dazu kam, wo die Milch herkommt, ob hier dauerhafte Arbeitsplätze entstanden sind und wie Oikocredit Mamelle Jaboot noch unterstützt. Darüber werde ich in den nächsten Tagen mehr erfahren.

Fortsetzung folgt…

 

Ulrike Pfab

Oikocredit Förderkreis Baden-Württemberg

 

 



Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.