Ecuador: Besuche bei den Klienten

Hola!

Die letzten Wochen in Ecuador waren sehr ereignisreich. In meiner dritten Arbeitswoche hatten wir am Dienstag und am Freitag Termine bei einer Fundación und einer Cooperativa, was mir die Gelegenheit gab, endlich ein bisschen mehr von Ecuador und im Speziellen von seinem Mikrofinanz-Sektor kennen zu lernen.

Der Besuch am Dienstag führte uns nach Santo Domingo de los Tsáchilas. Santo Domingo ist eine Stadt mit ca. 300.000 Einwohnern südwestlich von Quito. Patricio und ich wurden bereits um 6 Uhr morgens vom Finanzdirektor der Fundación Ecuatoriana de Desarrollo (FED) mit dem Auto abgeholt. Bereits die Fahrt nach Santo Domingo war die Reise schon wert. Die Straße schlängelt sich über dicht bewaldete Hügel, vorbei an Bergen und Schluchten und einem wunderschönen Panorama über dem morgens noch Nebel- und Wolkenfetzen hängen, bis hinunter in die Küstengegend.

Der Besuch bei der Fundación war aus verschiedenen Gründen sehr interessant. Zum einen ist die FED Pionier im Mikrofinanzbereich und arbeitet schon seit den 80er Jahren in diesem Feld. Zum anderen ist sie aufgrund einer Gesetzesänderung in Ecuador gezwungen, ihr gesamtes Kreditvergabegeschäft auf eine Cooperativa de Ahorro y Crédito auszulagern. Cooperativas de Ahorro y Crédito sind Finanzintermediäre, die in der Lage sind, Ersparnisse von Kunden entgegen zu nehmen und Kredite zu vergeben. Ihre Mitglieder, d.h. Die Kreditnehmer und Sparer sind die Shareholder der Cooperativas und im Gegensatz zu einer Aktiengesellschaft gilt bei der Generalversammlung der Cooperativa „Ein Mensch – eine Stimme“. Die Prinzipien und Funktionsweise dieser Finanzintermediäre werden in Ecuador durch das Gesetz der Economía Popular y Solidaria geregelt. Für die FED stellt die Auslagerung des Kreditgeschäfts vor allem einen administrativen Aufwand dar. Da die Cooperativas anderen Gesetzen unterstellt sind als eine NGO (als solche gilt die FED) ändern sich auch einige legale Aspekte, was das Kreditgeschäft der FED betrifft. Da sich die Fundación gerade im Übergangsstadium befindet, bezogen sich viele Fragen auf diese Situation und wie die Fundación und ihre Klienten damit umgehen.

Bei unserem Besuch führten wir Gespräche mit den Führungskräften und Mitarbeitern und besuchten zwei Büros und ausgewählte Kreditnehmer. Wir konnten uns dabei davon überzeugen, dass die Übertragung des Kreditportfolios und der Kunden auf die Cooperativa rasch, reibungslos und effizient erfolgt und schon zu Beginn des kommenden Jahres abgeschlossen sein wird. Zudem wurde bei den Interviews mit den Kunden deutlich, dass diese sich von der FED sehr gut betreut fühlen, und mit dem angebotenen Service zufrieden sind.

Ein interessantes Merkmal der FED ist, dass die Hauptzielgruppe wirklich die ärmste Schicht der Bevölkerung ist. Der erste Kredit, der vergeben wird, überschreitet nie 500 USD, um das Ausfallrisiko gering zu halten. Dies passt gut zur umsichtigen Finanzplanung der Fundación, deren Zinsen und Rückstellungen sehr hoch sind.

Der Finanzdirektor der Fundación begleitete uns den ganzen Tag und erläuterte uns seine Sichtweise auf die Entwicklungen des Mikrofinanzsektors in den letzten Jahren. Die Philosophie der Finanzplanung der FED, behutsam und umsichtig bei der Kreditvergabe vorzugehen, begründete er mit den Entwicklungen im Mikrofinanzsektor in den letzten Jahren. Dabei betonte er immer wieder die Wichtigkeit der Balance zwischen nachhaltigem Wirtschaften und sozialer Wirkung, bzw. der Verbesserung der Lebensumstände der Bevölkerung.

Für mich persönlich ist es wichtig zu sehen, dass Oikocredit wirklich darauf achtet, die Institutionen ausführlich zu evaluieren und auf ihre soziale Wirkung und Nachhaltigkeit zu überprüfen. Dieser Prozess erstreckt sich nicht nur auf die Zeit vor der Kreditvergabe, sondern wird auch danach gewissenhaft weitergeführt.

Wie viele andere Sektoren funktioniert eben auch der Mikrofinanzsektor nur dann gut, wenn Evaluierung, Monitoring und Regulierung das Geschäft in postiven Bahnen halten.

Liebe Grüße aus Quito.

Katharina 

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