Für meinen ersten Blog-Eintrag möchte ich meine – noch! – „grünen Hinterohren” nutzen, um erste und ungetrübte Eindrücke über das Social Performance Management (SPM) bei Oikocredit zu schildern. Bolivien-Spezifischeres kommt dann garantiert im nächsten Blog-Eintrag.
Bevor ich Anfang Oktober mein Praktikum beim Länderbüro Bolivien begann, hatte ich nur ein sehr vages Bild des sogenanntenSPM, also der Messung und Evaluierung des sozialen Mehrwertes von Investitionen in Oikocredit-Partnerorganisationen. Und das obwohl (oder gerade weil) ich mich besonders wegen der sozialen Nachhaltigkeit für Oikocredit interessiere. Ökonomischen Indikatoren einen sozialen Konterpart zur Seite zu stellen, der eine tatsächliche Messung nachhaltiger Entwicklung ermöglicht, macht Oikocredit gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit zu einem besonderen Vorreiter.
Nach der freudigen Nachricht, dass ich für die Zeit meines halbjährigen Praktikums größtenteils mit eben diesen Themen betraut sein werde, verschlang ich in den ersten Tagen mehrere Beispiele von in Bolivien angewandten Sozialindikatoren. Während ich es mir zuvor nur sehr schwer vorstellen konnte, dass man die soziale Performance eines Unternehmens mittels Fragebögen hinreichend evaluieren kann, bin ich nun von der Stichhaltigkeit und Transparenz der Fragen überrascht. Selbstverständlich werden die Partner auch kontinuierlich besucht, um ein reales Bild ihrer Wirkungskreise zu erhalten. Nichtsdestotrotz werden diese zunächst einmal dazu angehalten, die Bögen eigenständig auszufüllen. Und wie man es von anonymen Bewerbungsverfahren so kennt, bergen Fragebögen stets die Gefahr, sich ein wenig besser darzustellen, als man tatsächlich ist. Oikocredits “Sozialwerkzeuge” hingegen bieten auffallend wenig Möglichkeiten, aus dieser Anonymität Kapital zu schlagen. Klare, solide Fragen, deren Antworten relativ leicht zu verifizieren sind.
Unterstützt wird diese Überprüfung – und hier spreche ich wieder von meinen spontanen, ersten Eindrücken – durch ein bemerkenswert vertrauensvolles Verhältnis zu den Partnern. Man kennt sich gut: nicht nur formal, sondern auch persönlich. Vor diesem Hintergrund wird es für Oikocredits Partner schlicht zum Tabu, falsche Informationen anzugeben. Nicht nur, weil man so die Kreditkonditionen verletzten würde, sondern weil man über den persönlichen Vertrauensbruch ein gesundes und kooperatives Geschäftsverhältnis in Gefahr brächte.
Als erstes 3-Wochen-Mikro-Fazit meines Praktikums bei Oikocredit Bolivien kann ich also Folgendes festhalten: einerseits stellen Sozialindikatoren ein wichtiges Werkzeug dar, das für einen Sozialinvestor wie Oikocredit unabkömmlich ist – sowohl aus Gründen der Verantwortung für die “Endverbraucher” oder “Endnutznießer” des Kredites, aber auch aus Gründen der Transparenz gegenüber den Partnern und Anlegern. Das Einhalten ethischer Standards wird transparent mess-, sanktionier- und vergleichbar. Wirklich erfolgversprechend scheint SPM aber gerade durch eine wenig greifbare, zwischenmenschliche Komponente zu werden. In diesem Zusammenhang wurde mir auch die Bedeutung einer zentralen Vorgabe in der internen Organisationsstruktur von Oikocredit bewusster: nämlich die Anstellung lokaler Mitarbeiter in den Länderbüros, die unter anderem um kulturelle Feinheiten und sensible Umgangsformen wissen.
Somit zeichnet sich für mein Praktikum schon jetzt eine gewaltige, aber spannende Herausforderung ab: bolivianisch denken, kommunizieren, verhalten.
Lukas Bäuerle



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